Clark Darlton - der Ahnherr der deutschen SF

Eines ist sicher: Ohne Walter Ernsting, der seine beliebten Romane meist unter dem Pseudonym Clark Darlton veröffentlichte, würde die deutschsprachige Science Fiction-Szene anders aussehen. Als Übersetzer, Herausgeber und Autor war er stilbildend für die Lesegewohnheiten von Millionen, und als Gründer des Science Fiction Club Deutschland e.V. legte er den Grundstock für die zahllosen Fanclubs und Vereine, die seit den 50er Jahren entstanden sind.
Der 1920 in Koblenz geborene Ernsting las bereits als Kind und Jugendlicher die ersten fantastischen Romane, die es in der Vorkriegszeit in deutscher Sprache gab. Die ersten Skizzen für Geschichten entstanden bereits während des Zweiten Weltkriegs, gingen aber im Krieg verloren. Auch als er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war, ließ Ernsting seine Phantasie schweifen: »Im Traum bin ich zu den Sternen gereist.« Nachdem er 1950 in die Heimat zurückgekehrt war, arbeitete er zuerst als Dolmetscher für die britischen Behörden und kam dabei in Kontakt zur angloamerikanischen Science Fiction.
Seit 1953 war Walter Ernsting als Redakteur für den Pabel-Verlag tätig und verlegte die Romane der Reihe »Utopia-Großband«. Seinen Romanerstling »UFO am Nachthimmel« konnte er 1955 nur verkaufen, weil er ihn unter dem Pseudonym Clark Darlton und als von ihm übersetztes Werk eines amerikanischen Schriftstellers einreichte - damals wollte kein deutscher Verlag die Romane deutscher SF-Autoren publizieren. Der Erfolg gab dem jungen Autor allerdings recht: Im Nu gehörte er zu den beliebtesten Autoren der Reihe.
Nachdem Walter Ernsting im »Utopia Großband« eine Leserseite gestartet und den Erfolg der regen Leserdiskussion kennengelernt hatte, rief er bereits 1955 den Science Fiction Club Deutschland e.V. ins Leben - das war die Geburtsstunde des deutschen »Fandoms«, der Gemeinschaft jener Menschen, die sich für Science Fiction und Fantasy interessieren und sich in Clubs und Vereinen organisieren. Auch »Andromeda« wurde von Ernsting begründet. Diese erste deutsche Amateurzeitschrift für SF-Fans erscheint seit 1955.
Seine größten Erfolge feierte der Autor allerdings mit der PERRY RHODAN-Serie, die er zusammen mit Karl-Herbert Scheer ab 1961 als einer der zwei Gründer gestaltete und steuerte. Auch für zahlreiche andere Heftromanserien schrieb er, und natürlich war er am ersten deutschsprachigen Fantasy-Experiment DRAGON beteiligt. Zur DRAGON-Serie steuerte Ernsting vier Romane bei. Wie der Roman »Die Wassermenschen von Taa« bezeugt, erwies sich der Autor auch hier als ein Humanist, der in seinen Werken gerne die »kleinen Menschen« schildert und von den Sorgen und Nöten der »unwichtigen« Nebenfiguren berichtet.
Walter Ernsting, der in den 80er Jahren nach Irland übersiedelte, zog sich anfangs der 90er Jahre als Schriftsteller aus dem Geschehen zurück. Sein Gesundheitszustand ließ seitdem auch nicht mehr zu, daß er zu Fanveranstaltungen anreiste. Immerhin übermittelte er beim PERRY RHODAN-WeltCon in Mainz im Dezember 1999 seine Gruß-Botschaft via Videoaufzeichnung. Ernsting wohnt seit einiger Zeit in Salzburg.
 
Dragon ist ein eingetragenes Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt.