DRAGON - Die Söhne von Atlantis
Die DRAGON-Serie war ein literarisches Experiment, wie es zuvor niemand im deutschen Sprachraum gewagt hatte. Während in den Vereinigten Staaten und in verschiedenen europäischen Ländern der Begriff »Fantasy« sich schon als Bezeichnung für eine Literaturgattung durchgesetzt hatte, kannte man in Mitteleuropa praktisch noch nichts aus dieser Richtung. Die DRAGON-Serie öffnete der Literaturgattung den Zugang zum deutschsprachigen Markt.

Sie war zugleich die erste Romanserie dieser Art, die von verschiedenen Autoren geschrieben wurde. Ohne die Vorläufer-Arbeit durch die PERRY RHODAN-Serie wäre das kaum möglich gewesen. Immerhin hatte diese Weltraumserie seit dem Jahr 1961 bewiesen, daß es denkbar war, mit einem festen Autorenteam eine Reihe zu publizieren, die über einen »feststehenden Helden« verfügte und eine schier unendliche Abfolge von Abenteuern für die Leser bereithielt.
Es war die Pionierleistung eines Verlagslektors und einer Handvoll Autoren, die dazu beitrug, daß ab 1973 die 55 Romane der DRAGON-Reihe erscheinen konnten.

»DRAGON - Söhne von Atlantis« war die erste deutschsprachige Fantasy-Serie überhaupt. Die Serie legte in den 70er Jahren den Grundstein für die spätere erfolgreiche Vermarktung weiterer Heftroman- und Taschenbuch-Reihen in allen erdenklichen Verlagen. Fantasy war in den 70er Jahren absolutes Neuland für den deutschen Leser. Erfolgreiche Titel wie »Herr der Ringe« von J.R.R. Tolkien oder Robert E. Howards »Conan« wurden erst zu Beginn der 80er Jahre einem Massenpublikum zum Begriff.
Grundlage für die Serie bildete ein Konzept, das Günter M. Schelwokat erarbeitete, damals der wohl bekannteste Herausgeber deutschsprachiger Science Fiction - unter anderem betreute er von Beginn an als Lektor die PERRY RHODAN-Serie. Auszugsweise ein Zitat aus seinem grundlegenden Treatment, das auch heute noch gilt:
Die Ausgangssituation ist folgende: Atlantis, vormals ein interstellares Handelszentrum und ein bedeutender Treffpunkt vieler verschiedenartiger Sternenvölker der galaktischen Zivilisation, ist durch einen Überraschungsangriff kosmischer Bösewichter ausgelöscht worden. Für die Sternenvölker, die die galaktische Zivilisation bilden, ist die Erde damit abgeschrieben - sie wird im Laufe der nächsten Jahrtausende nicht mehr angeflogen, denn sie gilt als völlig zerstört.
Der Weltuntergang ist jedoch nicht allumfassend. Viele Erdbewohner und auch etliche auf der Erde weilende Besucher von den Sternen überleben die Katastrophe, zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen und über alle restlichen Kontinente und pflanzen sich fort. Die Nachkommen der Überlebenden, Menschen und Fremdwesen gleichermaßen, fallen, da sie mit den verfügbaren Mitteln keine technische Zivilisation mehr aufbauen können, schnell in die Primitivität zurück und vergessen ihr stolzes Erbe. Auf dieser in die Primitivität zurückgefallenen Welt sind selbstverständlich jene Menschen, die noch geistige oder technische Fragmente des alten Erbes bewahrt haben und diese zu verwenden wissen, im Vorteil. Sie werden als Priester, Magier oder Weise verehrt und üben teils einen guten, teils einen verderblichen Einfluß auf ihre Mitmenschen aus.

Einer dieser Überlebenden ist Dragon, ein ehemaliger Astronom und Wissenschaftler; er überlebte die Katastrophe in einer Kälteschlafzelle, die fast zwei Jahrtausende in Kleinasien vergraben lag. 15.000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung beginnt sein Abenteuer - als Bewohner eines kleinen Stadtkönigreiches seine Zelle finden und ausgraben, dem Menschen Dragon sogar einen Tempel errichten, weil sie ihn für einen Gott halten.
Der andere Überlebende ist Cnossos, ein extrem langlebiger Außerirdischer, der ursprünglich zu den Angreifern gehörte und nach der Katastrophe nun versucht, die Herrschaft über die Erde an sich zu reißen. Aber auch er kann den Zerfall der Zivilisation nicht aufhalten und die eintretende Barbarei nicht verhindern. Die Menschen dieser Zeit nennen ihn den »Gott der vielen Namen«.
Der Konflikt dieser zwei Protagonisten bestimmt das Geschehen der DRAGON-Serie. In einem fantasievoll geschilderten Kleinasien des fiktiven Jahres 15.000 vor Christi Geburt kämpfen sie in einer barbarischen Welt voller Ungeheuer und kleiner, sich bekriegender Königtümer und Reiche gegeneinander. Bekannte Inseln und Regionen tauchen in altertümlichen »Verkleidungen« auf - aus Kreta wird so beispielsweise die sogenannte Schlangeninsel.
Die Romane sind größtenteils klassische Fantasy, wie sie heutzutage immer mehr Leser findet; ein Horror-Einfluß läßt sich nicht verheimlichen, paßt aber hervorragend zum Gesamtbild der Serie. Schneemenschen in den Himmelsgebirgen, in denen der Leser die Yetis des Himalaya entdecken wird, tauchen ebenso auf wie Wolfsmenschen auf der heutigen Balkan-Halbinsel; Reisen in die Eisländer gibt es und sogar ein Weltentor, das den Übergang auf andere Planeten erlaubt.
Grundlegende mythologische Elemente wie Riesen, Zwerge, Halbgötter, Zentauren oder Nymphen tauchen immer wieder auf. Was damals dem Fantasy-Neuleser als »fremd« erschien, ist heutzutage, da Filmreihen wie »Xena« einen großen Erfolg haben, nichts Ungewöhnliches mehr.

Mehr Informationen zur Handlung im Glossar.
 
Dragon ist ein eingetragenes Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt.